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Die Schilddrüse – kleines Organ, große Bedeutung!
Die Schilddrüse – kleines Organ, große Bedeutung!
Warum unser „innerer Taktgeber“ so viel Aufmerksamkeit verdient
Sie ist klein, wiegt bei Erwachsenen nur wenige Gramm und liegt gut geschützt an der Vorderseite unseres Halses. Trotzdem beeinflusst die Schilddrüse zahlreiche Vorgänge, die wir jeden Tag spüren: unsere Energie, den Wärmehaushalt, Herz und Kreislauf, den Stoffwechsel, Muskeln, Nervensystem und viele weitere Körperfunktionen.
Ihre Form erinnert an einen Schmetterling. Die beiden Schilddrüsenlappen liegen rechts und links neben der Luftröhre und sind durch eine schmale Gewebebrücke miteinander verbunden.
Wie funktioniert die Schilddrüse?
Im Schilddrüsengewebe entstehen hauptsächlich die Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). T4 ist das mengenmäßig wichtigste von der Schilddrüse abgegebene Hormon. In verschiedenen Geweben kann es durch sogenannte Deiodinasen in das biologisch stärker wirksame T3 umgewandelt werden. T3 beeinflusst anschließend über spezifische Rezeptoren zahlreiche Gene und Stoffwechselprozesse.
Die Steuerung erfolgt über eine fein abgestimmte Regelachse zwischen Gehirn und Schilddrüse. Der Hypothalamus und die Hirnanhangdrüse kontrollieren über TRH und vor allem über das TSH – Thyreoidea-stimulierendes Hormon –, wie stark die Schilddrüse arbeiten soll. Steigen T3 und T4, wird die TSH-Ausschüttung normalerweise gebremst. Sind zu wenig Schilddrüsenhormone vorhanden, steigt der Stimulus auf die Schilddrüse. Dieses Rückkopplungssystem ermöglicht eine sehr genaue Regulation.
Damit dieses System zuverlässig funktioniert, braucht der Körper bestimmte Nährstoffe. Eine Schlüsselrolle spielen Jod, Selen und Eisen. Auch die allgemeine Versorgung mit Zink und anderen Mikronährstoffen ist für zahlreiche Stoffwechselprozesse von Bedeutung.
Was passiert, wenn die Schilddrüse nicht gut funktioniert?
Weil Schilddrüsenhormone auf viele Gewebe wirken, können Störungen sehr unterschiedliche Beschwerden hervorrufen.
Genau das macht Schilddrüsenerkrankungen manchmal schwierig zu erkennen.
Zu den möglichen Auffälligkeiten gehören unter anderem:
- auffallend starkes Kälte- oder Hitzeempfinden
- unerklärliche Gewichtszunahme oder Gewichtsabnahme
- Müdigkeit und Erschöpfung
- verminderte körperliche Leistungsfähigkeit
- Nervosität oder innere Unruhe
- Konzentrationsprobleme
- Veränderungen von Puls und Herzschlag
- trockene Haut oder vermehrtes Schwitzen
- Haarausfall oder Veränderungen der Haarstruktur
- Verstopfung oder häufigerer Stuhlgang
- Muskelbeschwerden oder Muskelschwäche
- Zittern
- Schlafprobleme
- Stimmungsschwankungen
- Veränderungen des Menstruationszyklus
- mögliche Beeinträchtigungen von Fruchtbarkeit und Sexualfunktion
- eine Vergrößerung der Schilddrüse
- Druck- oder Engegefühl im Hals
Wichtig zu wissen: Diese Beschwerden sind nicht spezifisch für die Schilddrüse. Müdigkeit beispielsweise kann ebenso durch Eisenmangel, Schlafstörungen, chronischen Stress, Infektionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder viele andere Faktoren entstehen. Gewichtsschwankungen haben ebenfalls zahlreiche mögliche Ursachen.
Deshalb kann es gut sein, länger anhaltende Beschwerden nicht allein anhand der Symptome als Schilddrüsenerkrankung zu interpretieren. Blutuntersuchungen und gegebenenfalls Ultraschall und weitere Diagnostik können zusätzlich Klarheit schaffen.
Wenn die Schilddrüse zu langsam arbeitet: Unterfunktion
Bei einer Hypothyreose, also einer Schilddrüsenunterfunktion, stehen dem Organismus zu wenige Schilddrüsenhormone zur Verfügung.
Viele Prozesse laufen dann gewissermaßen mit „reduzierter Geschwindigkeit“.
Typische beziehungsweise mögliche Beschwerden sind:
- Müdigkeit
- Antriebslosigkeit
- erhöhte Kälteempfindlichkeit
- verminderte körperliche Belastbarkeit
- Gewichtszunahme
- Verstopfung
- trockene, kühle Haut
- trockenes oder dünner werdendes Haar
- verlangsamter Herzschlag
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
- gedrückte Stimmung
- Muskelbeschwerden
- Zyklusveränderungen
Allerdings entwickelt sich eine Unterfunktion häufig langsam.
Gerade im frühen Stadium können die Symptome wenig auffällig sein oder ganz fehlen.
Welche Ursachen kann eine Unterfunktion haben?
Hashimoto-Thyreoiditis
Hier handelt es sich um eine chronische Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem richtet sich gegen Bestandteile des eigenen Schilddrüsengewebes. Im Verlauf kann die Fähigkeit der Schilddrüse, ausreichend Hormone zu produzieren, immer weiter abnehmen.
Typisch sind unter anderem Antikörper gegen die Schilddrüsenperoxidase – sogenannte TPO-Antikörper – und/oder gegen Thyreoglobulin. Nicht jeder Mensch mit Schilddrüsenantikörpern hat jedoch automatisch eine behandlungsbedürftige Unterfunktion. Für die Beurteilung sind Laborwerte, Beschwerden und gegebenenfalls der Ultraschallbefund gemeinsam entscheidend.
Jodmangel
Jod ist ein elementarer Bestandteil der Schilddrüsenhormone.
Ohne ausreichend Jod kann die Schilddrüse T4 und T3 nicht in der notwendigen Menge bilden. Langfristiger Jodmangel kann außerdem zu einer Vergrößerung der Schilddrüse – einer Struma – beitragen.
Operation und Radiojodtherapie
Wenn Schilddrüsengewebe operativ entfernt oder im Rahmen einer Radiojodtherapie gezielt ausgeschaltet wird, kann anschließend eine dauerhafte Unterfunktion entstehen.
Schilddrüsenentzündungen
Bestimmte Formen einer Thyreoiditis können zunächst zu einer vorübergehenden Freisetzung gespeicherter Schilddrüsenhormone führen. Anschließend kann eine Phase der Unterfunktion folgen.
Medikamente
Auch Medikamente können die Schilddrüsenfunktion beeinflussen.
Auch moderne Krebsbehandlungen wie Immuncheckpoint-Inhibitoren können Schilddrüsenfunktionsstörungen auslösen.
Erkrankungen von Hypophyse oder Hypothalamus
Seltener befindet sich die Ursache nicht in der Schilddrüse selbst, sondern in den übergeordneten Steuerzentren. Dann können Hypophyse oder Hypothalamus nicht die notwendigen Signale zur Regulation der Schilddrüse geben.
Wenn die Schilddrüse auf Hochtouren arbeitet: Überfunktion
Bei einer Hyperthyreose werden zu viele Schilddrüsenhormone gebildet und ausgeschüttet.
Der Stoffwechsel läuft verstärkt, und auch Herz und Nervensystem reagieren darauf.
Mögliche Symptome sind:
- Herzklopfen oder Herzrasen
- unregelmäßiger Herzschlag
- Nervosität und innere Unruhe
- Zittern der Hände
- Wärmeempfindlichkeit
- verstärktes Schwitzen
- Gewichtsabnahme trotz normalem oder erhöhtem Appetit
- Schlafstörungen
- Muskelschwäche
- häufiger Stuhlgang oder Durchfall
- Zyklusstörungen
- verminderte Belastbarkeit
Gerade bei älteren Menschen kann sich eine Überfunktion weniger typisch äußern. Eine ausgeprägte Hyperthyreose kann das Herz-Kreislauf-System erheblich belasten und sollte deshalb ärztlich behandelt werden.
Welche Ursachen kann eine Überfunktion haben?
Morbus Basedow
Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung und zählt zu den häufigsten Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion.
Dabei entstehen Antikörper gegen den TSH-Rezeptor, die diesen aktivieren.
Die Schilddrüse erhält dadurch dauerhaft das Signal, Hormone zu produzieren.
Bei einem Teil der Betroffenen kommt es zusätzlich zu einer endokrinen Orbitopathie. Mögliche Beschwerden sind gereizte oder trockene Augen, Lichtempfindlichkeit, Schwellungen oder hervortretende Augen.
Autonome Schilddrüsenknoten
Einzelne Bereiche der Schilddrüse können sich der normalen Steuerung durch TSH entziehen und selbstständig Hormone produzieren. Man spricht dann von einer Schilddrüsenautonomie.
Schilddrüsenentzündungen
Bei einer Thyreoiditis können bereits gespeicherte Hormone aus dem entzündeten Gewebe freigesetzt werden. Laborchemisch entsteht dadurch eine Thyreotoxikose, obwohl die Schilddrüse nicht unbedingt dauerhaft zu viel Hormon produziert.
Medikamente und Jod
Auch zu hoch dosierte Schilddrüsenhormone oder eine starke Jodbelastung können bei entsprechender Veranlagung eine Überfunktion auslösen beziehungsweise sichtbar machen.
Hashimoto, Morbus Basedow, Knoten und Struma – Schilddrüsenerkrankung ist nicht gleich Schilddrüsenerkrankung
Ein wichtiger Punkt ist die Unterscheidung zwischen Funktion und Struktur.
Eine Schilddrüse kann äußerlich unauffällig aussehen, obwohl sie zu wenig oder zu viele Hormone bildet. Umgekehrt kann die Schilddrüse vergrößert sein oder Knoten aufweisen, obwohl TSH und Schilddrüsenhormone zunächst normal sind.
Neben Unter- und Überfunktion spielen deshalb noch weitere Befunde eine Rolle.
Schilddrüsenknoten
Knoten sind häufig. Die große Mehrheit ist gutartig. Abhängig von Größe, Ultraschallmerkmalen und individuellen Risikofaktoren können jedoch weitere Untersuchungen notwendig sein.
Struma
Als Struma bezeichnet man eine vergrößerte Schilddrüse. Jodmangel kann eine Ursache sein, es gibt jedoch weitere mögliche Gründe.
Postpartum-Thyreoiditis
Auch nach einer Schwangerschaft kann eine Schilddrüsenentzündung auftreten. Dabei können sich Phasen von Über- und Unterfunktion abwechseln.
Schilddrüsenkrebs
Nur ein kleiner Teil der Schilddrüsenknoten ist bösartig. Neu aufgetretene oder auffällige Knoten, rasches Wachstum, anhaltende Heiserkeit oder ungewöhnliche Beschwerden im Halsbereich sollten abgeklärt werden.
Welche Vorerkrankungen sollte man im Blick behalten?
Autoimmune Schilddrüsenerkrankungen treten häufiger gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen auf.
Beschrieben sind beispielsweise Zusammenhänge mit:
- Typ-1-Diabetes
- Zöliakie
- autoimmuner Gastritis
- Vitiligo
- rheumatoider Arthritis
- Sjögren-Syndrom
- bestimmten weiteren systemischen Autoimmunerkrankungen
Das bedeutet nicht, dass eine Schilddrüsenerkrankung diese Krankheiten verursacht. Es bedeutet vielmehr, dass bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen eine entsprechende Veranlagung gehäuft gemeinsam auftreten kann.
Auch Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes sind interessant – insbesondere bei Menschen, die Levothyroxin einnehmen. Zöliakie, atrophische Gastritis, Helicobacter-pylori-Infektionen und andere Erkrankungen können die Aufnahme des Schilddrüsenhormons beeinflussen.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Schilddrüse außerdem bei Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit, familiärer Vorbelastung, vorangegangenen Operationen oder Bestrahlungen im Halsbereich und bei der Einnahme bestimmter Medikamente.
Wie erkennt man eine Schilddrüsenstörung?
Der wichtigste Laborwert für die erste Einschätzung ist in vielen Situationen das TSH.
Je nach Fragestellung werden zusätzlich freies T4 und gegebenenfalls freies T3 bestimmt.
Bei Verdacht auf eine autoimmune Schilddrüsenerkrankung können außerdem Antikörper untersucht werden, zum Beispiel:
- TPO-Antikörper
- Thyreoglobulin-Antikörper
- TSH-Rezeptor-Antikörper
Zur strukturellen Beurteilung eignet sich der Ultraschall.
Was kann man tun, um die Arbeit der Schilddrüse zu unterstützen?
Die wichtigste Grundlage ist eine bedarfsgerechte Versorgung.
Besonders wichtig sind Jod, Selen und Eisen. Daneben spielen unter anderem Zink und verschiedene Vitamine im allgemeinen Stoffwechsel eine Rolle.
Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichender Schlaf sowie die Behandlung tatsächlich bestehender Nährstoffmängel schaffen gute Voraussetzungen.
Bewegung und Sport – Aktivität tut gut
Regelmäßige körperliche Bewegung ist für Herz, Kreislauf, Muskulatur, Stoffwechsel und psychisches Wohlbefinden wertvoll.
Auch Menschen mit Störungen der Schilddrüsenfunktion profitieren von Bewegung.
Sinnvoll ist eine Kombination aus:
- regelmäßiger Alltagsbewegung
- moderatem Ausdauertraining
- zwei bis mehreren Krafttrainingseinheiten pro Woche, angepasst an Leistungsstand und Gesundheitszustand
- ausreichend Erholung
Wer stark erschöpft ist, sollte nicht versuchen, den Körper mit immer intensiverem Training „anzukurbeln“. Belastung und Regeneration sollten zusammenpassen.
Stress und Schlaf – die Schilddrüse arbeitet nicht isoliert
Die Schilddrüse ist über die Hypothalamus-Hypophysen-Schilddrüsen-Achse eng in die Gesamtregulation des Organismus eingebunden. Verschiedene Formen von Stress, Schlafentzug, Fasten oder körperlicher Belastung können diese Regelkreise und den Schilddrüsenhormonstoffwechsel beeinflussen.
Das bedeutet nicht, dass Stress automatisch eine Schilddrüsenerkrankung verursacht.
Es zeigt aber, warum ein guter Schlaf-Wach-Rhythmus, ausreichende Erholungszeiten und ein vernünftiges Belastungsmanagement für das allgemeine Wohlbefinden wichtig sind.
Und was ist mit Wechselduschen?
Wechselduschen können als Teil einer allgemeinen Gesundheitsroutine angenehm und aktivierend sein. Sie können für Kreislauf und persönliches Wohlbefinden eingesetzt werden.
Welche Lebensmittel sind gut für die Schilddrüse?
Eine spezielle universelle „Schilddrüsendiät“ existiert nicht.
Sinnvoll ist eine abwechslungsreiche Ernährung, die die Versorgung mit Jod, Selen, Eisen, Zink und anderen essenziellen Nährstoffen ermöglicht. [14]
Dazu können beispielsweise gehören:
Seefisch und Meeresfrüchte
Sie können zur Jodversorgung beitragen.
Jodiertes Speisesalz
Es ist eine gut kontrollierbare Möglichkeit, die Jodzufuhr über die normale Ernährung zu unterstützen.
Eier
Sie können abhängig von Produktion und Tierfütterung relevante Jodmengen liefern.
Nüsse und Samen
Sie liefern unterschiedliche Mineralstoffe, Spurenelemente, Eiweiß und Ballaststoffe.
Fleisch und andere eisenreiche Lebensmittel
Sie können zur Eisenversorgung beitragen. Wer sich vegetarisch oder vegan ernährt, sollte pflanzliche Eisenquellen gezielt kombinieren und den Eisenstatus bei Bedarf kontrollieren lassen.
Gemüse und Obst
Sie sollten wegen der Schilddrüse keinesfalls pauschal eingeschränkt werden.
Pflanzliche Lebensmittel sind aufgrund niedriger Jodgehalte vieler europäischer Böden häufig keine zuverlässige Jodquelle. Gerade bei veganer Ernährung sollte die Versorgung deshalb bewusst berücksichtigt werden.
Schädigen Brokkoli, Kohl und Karfiol die Schilddrüse?
Rund um sogenannte goitrogene Lebensmittel gibt es viele Missverständnisse.
Kohl, Brokkoli, Karfiol, Rosenkohl, Kohlrabi und andere Kreuzblütler enthalten Glucosinolate. Daraus entstand die Vorstellung, diese Lebensmittel könnten die Jodaufnahme blockieren und damit generell die Schilddrüse schädigen.
Eine umfassende systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 kam jedoch zu dem Ergebnis, dass die große Mehrheit der untersuchten Daten frühere Befürchtungen über ausgeprägte schilddrüsenschädigende Effekte von Brassica-Gemüse beim Menschen nicht bestätigt.
Für die normale Ernährung bedeutet das: Brokkoli und Kohl müssen nicht aus Angst vor der Schilddrüse vom Speiseplan gestrichen werden. Bei ausreichender Jodversorgung und üblichen Verzehrmengen spricht vieles dafür, diese Gemüse weiterhin als wertvollen Bestandteil einer abwechslungsreichen Ernährung zu betrachten.
Welche Nährstoffe braucht die Schilddrüse, um gut zu funktionieren?
Jod ist der bekannteste Schilddrüsennährstoff – und das aus gutem Grund.
Es ist ein direkter Bestandteil von T4 und T3. Eine ausreichende Jodzufuhr ist deshalb Voraussetzung für eine normale Schilddrüsenhormonproduktion.
Für Erwachsene und Jugendliche ab 13 Jahren beträgt die empfohlene Jodzufuhr
Für Schwangere werden 220 µg und für Stillende 230 µg pro Tag angegeben.
Das europäische Tolerable Upper Intake Level für Erwachsene liegt bei 600 µg Jod pro Tag aus allen Quellen. Dieser Wert ist keine Einnahmeempfehlung, sondern eine Sicherheitsobergrenze für die langfristige Gesamtzufuhr. Wie bereits weiter oben in diesem Artikel erwähnt, können verschiedene Faktoren den Jodbedarf beeinflussen, was gegebenenfalls einen höheren Bedarf mit sich bringen kann.
L-Tyrosin – ein natürlicher Baustein der Schilddrüsenhormone
L-Tyrosin ist eine Aminosäure mit einer besonderen Verbindung zur Schilddrüse. Tyrosinreste im Schilddrüsenprotein Thyreoglobulin dienen als Ausgangsstruktur für die Bildung der Schilddrüsenhormone T3 und T4.
An diese Tyrosinreste wird Jod gebunden; durch weitere enzymatische Schritte entstehen daraus die Schilddrüsenhormone. Eine ausreichende Versorgung mit Tyrosin gehört somit zu den biochemischen Voraussetzungen der normalen Hormonsynthese.
Selen – kleines Spurenelement mit besonderer Beziehung zur Schilddrüse
Die Schilddrüse gehört zu den Organen mit einer besonders hohen Bedeutung selenhaltiger Proteine.
Sogenannte Deiodinasen enthalten Selen und sind unter anderem an der Aktivierung und Inaktivierung von Schilddrüsenhormonen beteiligt. Andere Selenoproteine unterstützen antioxidative Schutzmechanismen im Schilddrüsengewebe.
Das erklärt das große wissenschaftliche Interesse an Selen bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse.
Bei Hashimoto zeigen neuere Metaanalysen teilweise eine Verringerung von TPO-Antikörpern und in einigen Gruppen kleine Veränderungen des TSH unter Selensupplementierung. Die EFSA hat 2023 die tolerierbare obere Gesamtzufuhr für Erwachsene auf 255 µg Selen pro Tag festgelegt. Auch hier kann es jedoch durch Einbeziehung verschiedener Faktoren zu einem erhöhten Bedarf kommen.
Eisen, Zink und weitere Mikronährstoffe
Eisen ist nicht nur für Blutbildung und Sauerstofftransport wichtig.
Die Schilddrüsenperoxidase, ein entscheidendes Enzym bei der Schilddrüsenhormonsynthese, ist ein hämabhängiges Enzym. Eine ausreichende Eisenversorgung gehört daher ebenfalls zu den Voraussetzungen eines funktionierenden Schilddrüsenhormonstoffwechsels.
Zusätzlich ist ein anderer Punkt praktisch relevant: Eisenmangel selbst kann Müdigkeit, Leistungsabfall, Konzentrationsprobleme oder Haarausfall verursachen.
Beschwerden, die spontan als Schilddrüsenproblem interpretiert werden, können also auch andere Ursachen haben.
Auch Zink steht mit Schilddrüsenhormonstoffwechsel und zahlreichen Enzym- und Immunfunktionen in Verbindung.
Blasentang - Pflanzliche Braunalgen-Tinktur – traditioneller Bezug zur Jodversorgung
Blasentang (Fucus vesiculosus) ist eine Braunalge, die natürlicherweise Jod anreichern kann. Jod ist ein essenzieller Bestandteil der Schilddrüsenhormone und trägt zu einer normalen Produktion von Schilddrüsenhormonen sowie zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei. Eine Blasentang-Tinktur kann daher als natürliche Jodquelle interessant sein.
Noch mehr über die Schilddrüse erfahren?
Wer nach diesem Beitrag noch tiefer in das Thema einsteigen möchte, findet bei EVOSAN eine passende Webinar-Aufzeichnung:
„Chronisch müde – Schilddrüse“
In der rund 90-minütigen Aufzeichnung mit Mag. Dr. rer. nat. Markus Stark MSc. werden unter anderem folgende Fragen behandelt:
• Hashimoto & Co.
• Symptome einer Schilddrüsenstörung
• Welche Rolle spielt Jodmangel?
• Welche Nährstoffe braucht die Schilddrüse?
• Welche Rolle spielt Stress?
Die Aufzeichnung stammt vom 26. November 2025, dauert 1:30:26 Stunden und wird aktuell für 49 Euro angeboten.
Quellen und wissenschaftliche Literatur
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